Camilla Maria Schweizer (1892 - 1962)

Camilla Maria Schweizer (1892 - 1962)
Meine verehrungswürdige Oma. Sie hat mir gegeben was mich umtreibt im Haus.

Mittwoch, 24. August 2011

Der kleine Butziwackel

Zwetschgenkuchen mit Streuseln
Unter der Überschrift Der Kleinste kriegt sie alle füllte am 24. August 2011 Viola Katemann das Sommerloch der Stuttgarter Zeitung mit vier Spalten über Pflaumen und Zwetschgen. Behilflich dabei war ihr die Obstanbäuerin Hilde Schön aus Stuttgart-Hedelfingen, die auf dem Markt verschiedene Zwetschgensorten aus eigenem Anbau feilhält. Am Ende gibt es sogar ein Standardrezept für Zwetschenkuchen - mit Hefeteig und Streuseln, also ein bayerischer Zwetschgendatschi, längst nicht so genussreich wie einer aus Mürbteig mit Mandelstiften statt der Streusel.

Die Streusel schreibt man nicht mit äu sondern mit eu, weil sie gestreut und nicht gesträut werden, aber das populärste aller  Fingerspiele, mit welchem Frau Katemann ihren Bericht über die Pflaumen und deren Stieftöchter, die Zwetschgen sinnigerweise eröffnet, schreibt man nicht mit Kleine sondern mit Butziwackel. Wenigstens nach meiner Les- und Hörart.

Fingerspiele-Sammlung
Das ist der Daumen.
Der schüttelt die Pflaumen.
Der liest sie auf.
Der trägt sie nach Haus.
Und der kleine Butziwackel -
Der isst sie alle, alle auf.

So habe ich es gelernt. Frau Katemann indes lässt enden: ...und der ganz Kleine, der isst sie alle, alle auf. Diese Version, die man auch im Internet serviert bekommt, ist in meinen Fingerspielbüchern nicht überliefert und in meiner Erinnerung gleich dreimal nicht. Sie nimmt dem Fingerspiel die abschließende Turbulenz, und die erzeugt man so:

Das Kindchen ist auf dem Schoß und fingert mit den Fingerchen. Der Opa tippt sie an, streichelt sie, biegt sie sanft, rollt sie zur Faust, kitzelt ein bisschen und unterhält damit sein Enkelkind. Schließlich kommt der Sprechvers, schön langsam, große Pause zwischen den Zeilen und nach dem Demonstrativpronomen der, das jede Zeile anführt. Der Opa greift jeden Finger, der vorgestellt wird, einzeln und zieht etwas daran (später reicht es, die Fingerkuppen anzutippen, wozu ihm das Kindlein das jeweilige Fingerchen entgegen streckt). Die längste Pause, mit erhöhter Stimme, gibt es nach dem Butziwackel - und bei der isst sie alle, alle auf schließt die große Opahand die kleinen Fingerchen und wurstelt sie sanft durcheinander, und darauf hat ja das Kindlein gewartet und jauchzt. Mit der ganz Kleine geht das nicht.

In diesem Spiel schlummert der Reiz von Geschichten, die man immer wieder hört. Sie laufen einem Höhepunkt zu, und nach einem kurzen Moment des Zögerns kommt die entspannende Lösung. Die darf nie anders ausfallen als erwartet. Man stelle sich nur mal vor, die Eva hätte zur Schlange gesagt: Nein, diesen Apfel esse ich nicht, du blöde Sau!

Nachtrag 1:

Als Kindlein war mir nicht klar, warum, man bei der zweiten Zeile zum nächsten Finger, dem Zeigefinger wechselt. Ich habe das erste der zu Beginn der zweiten Zeile als ein Relativpronomen gedeutet: Das ist der Daumen, der schüttelt die Pflaumen. Und das war mir plausibel, weil der Daumen ja der Zupackfinger ist. Erst später hat sich der Schleier gelüftet, und schon war der Sprechvers entzaubert.

Nachtrag 2:

Originalcover von
Max Butziwackel,
der Ameisenkaiser
(Amazon)
Butziwackel ist die Bezeichnung für ein Kind, das gerade laufen lernt. Das Wort fand Eingang in die Übersetzung von Ciondolino, einem Kinderbuch von Luigi Bertelli. Im Deutschen lautet der Buchtitel Max Butziwackel, der Ameisenkaiser. Es gehörte zu meinen Lieblingsbüchern, nachdem ich lesen gelernt hatte. Ich habe es vermutlich bis zu zehn Mal gelesen, und dabei die Welt der Insekten kennengelernt. Es war so spannend wie ein Krimi. Der Bub Max ist zur Ameise verwandelt worden, weil er dachte, die gehen den ganzen Tag nur spazieren, und hat es bei diesen Tierchen bis zum Kaiser gebracht, dabei mehrere Schlachten geschlagen, verloren, und haarsträubende, lebensgefährliche Begegnungen mit Wespen, Ameisenlöwen und anderen Sechsbeinern durchgestanden. Von Max habe ich mehr Standing getrunken als von Eltern und Tanten


Dienstag, 5. Juli 2011

Tageskarte 5. Juli 2011

Wider Erwarten heute nur zu zweit am Tisch: Paule und ich, keine Hausi weil Mittagsschule. Also schnell umgeplant.

Heute gibt es:

Reste-Menü für Männer aus vielen kleinen Zutaten
schmeckt sehr lecker, wie im Urlaub

Reissuppe - aus einem Rest Risotto samt Liebstöckelbrühe (konz.), aus der Gefriere, je eigene Produktion.
Seelachsfilet - aus der gefriertruhe vom Supermarkt, Restportion, gedünstet.
Bratkartoffeln - Eigenproduktion.
Buttergemüse - kleine Tiefkühlportion.
Paprikasalat - rot, gewürfelt mit
Dressing - süßsauer, Marke Paul.
Zitronenkuchen - kleine Schnitte, vom Supermarkt, billiger Restposten, rechtzeitig gekriegt und eingefroren.

Rezept Dressing St. Paul:

Essig, Öl, Kaltwasser wie 3 :1 : 2,
1/2 Zwiebel, Mikrowürfelchen,
1/2 EL Ketchup,
1 TL Salatcreme,
2 EL Buttermilch,
Pries Salz, Prise Zucker,
Prise Salatkräuter oder einige frische Kräuter vom Topf (Thymian und seine Freunde).
Alles mischen und schütteln. Erst kurz vor dem Servieren über die Paprikawürfelchen.

Rezept Bratkartoffeln

Kartoffeln, klein bis mittelgroß, gleich groß, festkochende, zu Pellkartoffeln dämpfen (im Wasser mit 1 Prise Kümmel, oder Dampfgarer.
Pellen, antrocknen und kühlen lassen (auch vom Vortag, dann sogar noch besser, saugen nicht so leicht Fett). In nicht gar so dünne Scheiben schneiden und in
Butterschmalz oder Schweineschmalz sehr heiß kurzbraten. Nicht schichten, sondern eher Boden deckend frittieren, wenden, mit Sieb heraus heben, auf Papier abfetten.
Mit Salz und etwas Majoran würzen.

Mittwoch, 15. Juni 2011

Seraphen mit sechs Flügeln

Sechsflügeliger Seraph.
Europäische Wandmalerei

Am kommenden Sonntag hat die ev. Kirche zum Trinitatis-Sonntag offenbar Jesaja, Kapitel 6 als Predigttext vorgegeben. Manche Predigerinnen und Prediger ratschlagen noch (in Facebook), wie sie damit umgehen sollen. Weiß ich auch nicht per Stein der Weisen, aber ein paar Einfälle sind mir dazu gekommen heute Nacht.
Ich plaudere hier alles aus, was mir dazu einfällt, ungeordnet, so wie´s in den Kopf kommt.

Der Text aus www.Bibel-online.net, mit Links (vulgo: Verweisen) auf assoziierte andere Bibelstellen:

Jesaja - Kapitel 6

Jesajas Berufung zum Propheten

Des Jahres, da der König Usia starb, sah ich den HERRN sitzen auf einem hohen und erhabenen Stuhl, und sein Saum füllte den Tempel. (Johannes 12.41) Seraphim standen über ihm; ein jeglicher hatte sechs Flügel: mit zweien deckten sie ihr Antlitz, mit zweien deckten sie ihre Füße, und mit zweien flogen sie. Und einer rief zum andern und sprach: Heilig, heilig, heilig ist der HERR Zebaoth; alle Lande sind seiner Ehre voll! (Offenbarung 4.8) (Habakuk 3.3) daß die Überschwellen bebten von der Stimme ihres Rufens, und das Haus ward voll Rauch. (Hesekiel 10.4) (Offenbarung 15.8) 
   Da sprach ich: Weh mir, ich vergehe! denn ich bin unreiner Lippen und wohne unter einem Volk von unreinen Lippen; denn ich habe den König, den HERRN Zebaoth, gesehen mit meinen Augen. (2. Mose 33.20) Da flog der Seraphim einer zu mir und hatte eine glühende Kohle in der Hand, die er mit der Zange vom Altar nahm, und rührte meinen Mund an und sprach: Siehe, hiermit sind deine Lippen gerührt, daß deine Missetat von dir genommen werde und deine Sünde versöhnt sei. (Sacharja 3.4) 
   Und ich hörte die Stimme des HERRN, daß er sprach: Wen soll ich senden? Wer will unser Bote sein? Ich aber sprach: Hier bin ich; sende mich! Und er sprach: Gehe hin und sprich zu diesem Volk: Höret, und verstehet's nicht; sehet, und merket's nicht! (Matthäus 13.11-15) (Johannes 12.40) (Apostelgeschichte 28.26-27) 10 Verstocke das Herz dieses Volkes und laß ihre Ohren hart sein und blende ihre Augen, daß sie nicht sehen mit ihren Augen noch hören mit ihren Ohren noch verstehen mit ihrem Herzen und sich bekehren und genesen. (5. Mose 29.3) 
   11 Ich aber sprach: HERR, wie lange? Er sprach: Bis daß die Städte wüst werden ohne Einwohner und die Häuser ohne Leute und das Feld ganz wüst liege. 12 Denn der HERR wird die Leute fern wegtun, daß das Land sehr verlassen wird. 13Und ob der zehnte Teil darin bleibt, so wird es abermals verheert werden, doch wie eine Eiche und Linde, von welchen beim Fällen noch ein Stamm bleibt. Ein heiliger Same wird solcher Stamm sein. (Jesaja 4.3)

Meine Gedankensplitter dazu:

1.   Klären: Was hat diese Perikope mit der Dreifaltigkeit zu tun? (Peri-Kope = Aus-Schnitt, also zur gesonderten Betrachtung herausgenommener Abschnitt.)

2.   Jesaja gilt aus christlicher Sicht als einer der wichtigsten Propheten der Jüdischen Bibel (AT), weil bei ihm das Erscheinen des Messias vorgezeichnet sei.

3   Jes 6 ist das Dokument der Berufung des Propheten, und zwar sogleich mit einem für´s erste schwer nachvollziehbaren Auftrag: Führe Jerusalem vor, indem du dieses Volk ohne Ohren und Augen vollends ins Elend zwingst, damit sie bis zum Stumpf vertilgt werden und erst danach etwas Neues wird wieder wachsen können. Kann man den letzten Satz so verstehen: Aus dem Stumpf wächst wieder etwas? Assoziation: Im Weihnachtslied Es ist ein Ros (eigentlich ein Reis, also ein junger Trieb, der aus einem Wurzelstock zart entspringt; nicht er Wurzelstock ist zart sondern der frische Trieb!) entsprungen aus einer Wurzel zart wird auf Jesaja bezogen: ... wie uns Jesaja sagt ... Gemeint sind dabei die Prophezeiungen des Propheten, dass der Messias komme, an anderer Stelle des Jesajabuches. Das Bild des jungen Triebs ist aber in Jes 6,13b ebenfalls da: Ein heiliger Same wird solcher Stamm sein.

4   Das war das Pferd vom Schwanze her aufgezäumt. Zuerst einmal geht´s in Jes 6 natürlich um die Berufung des Propheten selbst.

5     Nach allem was ich aus eigenem Träumen weiß, nächtlich, nicht im Dösen, das sich jahrzehntelang in einer epischen Fülle eingestellt, wiederholt, gesteigert und wieder zurück gezogen hat, vom Material her etwa dreibändig, Großformat, nach all dem muss ich den Berufungstext bei Jesaja als Traum betrachten. Selbst wenn es sich um eine sogenannte Vision handeln sollte, hat diese notwendigerweise den Charakter des nicht Rationalen. Dabei vermengen sich Bilder in nicht selten unrealistischer Weise und signalisieren Bedeutungen, die in tiefen Schichten liegen und aufgeblättert werden müssen, wenn man sie verstehen will. Sie nur an der Oberfläche des Textes, sozusagen als Realbericht zu nehmen, geht meines Erachtens nicht. Versucht man zudem, sich die Weltsicht eines gebildeten und sozial abgesicherten Bürgers von Jerusalem kurz vor dem Babylonischen Exil vorzustellen, ergeben sich mir folgende Haltepunkte:

Yo Gi Oh - Karte
a)   Die Erde ist ein Spielfeld weltlicher Mächte und Kräfte, repräsentiert durch Machthaber in Glanz und Prunk samt ihrem (militärischen) Potential.
b)   Für Juden ist der oberste Herr und Kriegsherr der eine Gott, der keinen Eigennamen hat (außer, seit Moses: Ichbinda), von dem es kein Bild gibt, eines zu machen nicht sinnvoll und deswegen streng verboten ist, und den man nicht sehen, geschweige denn ansehen kann, weil man sonst verzehrt wird von der Gluthitze seines Feuers.
c)   Jerusalem ordnet sich der Tempelhierarchie unter.
d)   Die Welt ist ein Schlachtfeld des Überlebens, nahrungstechnisch und sicherheitstechnisch. Wer vom Pfad der Tugend und gesellschaftlicher Ordnung abweicht, wird von Gott streng bestraft, bis hin zur Vernichtung. Gleichwohl buhlt man um die Huld Gottes und sieht Zeichen für Zuteilung oder Verweigerung in allen Phänomenen der belebten und unbelebten Natur.


Yo Gi Oh - Karte
e)   Für die Vorstellung der überirdischen Mächte haben sich schon seit Jahrhunderten Bilder und Bilder von Figuren und Rollen herausgebildet, die man im gesamten Orient dargestellt sieht: Geflügelte Wesen, thronende Wesen, feurige Wesen, Mischwesen aus Tier und Mensch, gefräßige und menschenverschlingende Wesen, übermächtige Kriegsmaschinen und Kriegshelden, Götter, die hinter den Naturgewalten und Schicksalen stehen, persönlich, im Streite miteinander und unberechenbar. Insgesamt ein Panoptikum, das von Menschen erdacht ist und bis heute fasziniert. Siehe auch die japanischen Pokemon-Figuren, vor allem auch die Yu-Gi-Oh-Karten, mit denen Buben spielen, auf denen alle diese phantastischen Figuren und ihre Mächte und Ohnmächte, Stärken und Achillesfersen minutiös dargestellt sind.
f)   Ich behaupte, dass Jesajas Berufungsvision aus der Vorstellungswelt jener Zeit ihre Bilder hat und keine Realschilderung eines objektiv gegebenen Fakts ist.
g)   Unter Fakt verstehe ich etwas, das auch außerhalb von mir, von anderen nachgedacht, überprüfbar und reproduzierbar ist.

6   Woher hat Jesaja seine Traumbilder? Sind sie ihm gegebene und haben sie nichts mit seinen Erfahrungen in der Wachheit zu tun? Oder nehmen sie Erfahrungen der Wachheit und collagieren mit ihnen etwas Neues, ohne die Fesseln der Ratio ? Und hätte dann dieses Neue Anspruch auf Bestand in der Welt des Wachseins, in der Jesaja dann predigt, prophezeit, warnt und andere überzeugen will?

Yo Gi Oh - Karte
7   Jesaja sagt lapidar: Ich habe den Herrn gesehen. Das ist, so weit ich weiß, einmalig in der Bibel. Nicht einmal Moses hat den Herrn gesehen, obwohl er mit ihm einen mehr als intensiven Austausch hatte (Sinai, 10 Gebote, Dornbusch).

8   Jesaja sagt aber nichts Näheres über über sein Sehen des Herrn. Stattdessen beschreibt er die Seraphen. Diese galten als die gottnächsten himmlischen Wesen, gefolgt von den Cheruben. Von beiden Vorstellungen gab es in der Antike vielerlei bildliche Darstellungen. Zum Beispiel an der Bundeslade. Dann die Sphinxen in Ägypten, sicherlich diverse "Götzenbilder", Figuren an Stadttoren und besonderen Plätzen, Standbilder aller Art, Einritzungen und Schmuckgebilde. Solche Darstellungen dürfte Jesaja gekannt haben. Dann wäre nicht verwunderlich, wenn sie in seine Traum- oder Visionswelt einfließen. Außerdem kannte Jesaja wohl den Tempel in Jerusalem nicht nur von außen. Nach meiner Lektüre gehörte er zu einer privilegierten Schicht, die weit hinein Zugang gehabt haben dürfte, wo er sicherlich Eindrücke des Hohen und Großen hatte, das sich auch im Traumbild umsetzen und erweitern lässt.
Cherub, auch er hat sechs Flügel



Ich selber hatte einst eine Traumbegegnung mit einem (mit einer Art) Engel, auf freiem Feld trat der auf, ca. 80 Meter hoch, wie ein Turm, und von einer ehernen Lautstärke im Rufen, die mich erschüttert und gleichzeitig eingehüllt und geschützt hat. Seither denke ich mir Engel nicht als Flügelwesen mit Gesicht sondern etwa wie riesige Roboter - das ist nur ein Versuch, den Eindruck weiterzugeben - allerdings nicht aus Metall und Elektronik sondern aus wehender Stärke, aber eben mit Gestalt und kaum begrenzter Kraft.
Die Frage allerdings muss offen bleiben: a) "Sieht" Jesaja Bildcollagen, die sein Gehirn aus dem produziert, was es in sich trägt, oder werden ihm b) von außen, also in diesem Falle vom Herrn, Bilder eingelegt, oder - falls b) - bedient sich c) der Bildeinleger dabei der Bilder, die in Jesaja da sind oder projiziert er d) neue in das Wahrnehmen des Jesaja?

Cheruben im Tempel, Fantasiebild.
9   Die Visionsbericht Jes 6 muss so eindrücklich gewirkt haben, dass er bis heute die Vorstellung von Seraphim (Mehrzahl von Seraph, bedeutet soviel wie Hitzebringer, auch Schlangen wurden so bezeichnet, deren Biss Feuer im Leib erzeugt) und von der geradezu tumultartigen, nicht fassbaren Großartigkeit der Heiligkeit im und um den Herrn geprägt hat. Das Bild der auf und ab steigenden Engel, oder hin und her wogenden Schallrufe, das man ja auch aus der Weihnachtsgeschichte kennt, das ängstigt, weil so erdrückend gewaltig, so dass die Engel erst einmal sagen müssen, fürchtet euch nicht, hat die ganze einschlägige Literatur und Bilddarstellung des Abendlandes zu diesem Komplex geprägt. Mir fällt ein eine Illustration in Dantes göttlicher Komödie. (Bild suche ich noch)

10   Das dreimalige Heilig (Tris-Hagion) samt dem kompletten Zitat in Vers 3 ist heute noch das Zentrum der so genannten Präfation, des Hochgebetes der katholischen Messe (Sanctus), Höhepunkt der Vorbereitung der Transsubstantiation in der Wandlung (Brot wird zum Leib Christi). Diese liturgische Rolle zeigt die überragende Bedeutung der Jesaja-Vision für das jüdisch-christliche Gottesbild und den Kult.

11   Jesaja biete sich zur Sendung an. Andere Propheten oder Figuren des AT, die der Herr als Mitarbeiter im Visier hatte, haben sich anfangs eher geziert oder dem Appell zu entziehen versucht (etwa Jonas). Demgegenüber erweist sich Jesaja nach der Berührung seiner Lippen durch glühende Kohle geradezu als eifriger Musterschüler. Wie deutet man das?

12   Welche gewichene Schuld, welche gesühnte Sünde ist gemeint in Vers 7?

13   Jesajas Vision lässt sich datieren: 736 v.Chr., "als König Usija starb". In dieser Zeit bedrängte das Assyrische Reich unter Tiglatpileser das jüdische Land. 722 kommt es zur Eroberung des Nordreiches, die gesamte jüdische Oberschicht wurde ins Exil geführt (Babylonische Gefangenschaft). Frage: Ist es denkbar, was in den Evangelien später gang und gäbe ist, dass erlebte Geschichte (Niedergang Jerusalems und des Tempels) im Berufungsbericht des Jesaja als prophetische Ankündigung und die eigentlich unverständliche Drohung des Herrn (selbst in Sodom und Gomorrha ließ er mit sich feilschen!), ohne Gnade bis auf den Stumpf auszuradieren, bekannt war und somit begründet in die Prophetie in Jes 6 Eingang gefunden hat?

14   Jesaja bedeutet Gott hilft (also die hebräische Urform des schwäbischen Gotthilf). Da spüre ich einen Widerspruch zu dem geradezu sintflutstrengen Hinweis des Herrn, Jesaja soll solange das Volk vorführen, bis es vollends getilgt sein werde. Irgendwas passt da oder verstehe ich da nicht.

15   Ich habe heute fast 10 Predigten evangelischer Theologen zu Jes 6 im Internet gelesen, vom Prof. Dr. Dr. bis zum Studenten. Alles nicht ganz so sehr berückend. Viele Wörter und Sätze. Offenbar ein schwer zugänglicher Text mit homiletischen Hürden. (Homilie = Die Kunst der Predigt, des Austauschs).

Und hier noch ein Bild von Hieronymus Bosch, dem Maler des ganz normalen Grauens, Wahnsinn, der Hölle, des Himmels, des Unwirklichen und des nur subjekitv Wirklichen.


Hieronymus Bosch, Gefallene Engel

(Alle Abbildungen aus Google Bilder)

Freitag, 10. Juni 2011

Joshua, Sohn der Maria


Lustiges Buch mit Hintersinn
Seit gestern lese ich Jesus liebt mich von David Safier. Zur Entspannung, sagte Madame mit besorgtem Blick, als sie mir das Buch gebracht hat.  In der Tat, ein lustiges Werk. Eine Marie und ein Joshua alias Jesus von Nazareth geraten in eine Liaison. Engel Gabriel spielt auch mit, als ev. Pfarrer. Und George Clooney, als Teufel. Als Jung-Zimmermann Joshua seinen ersten Auftritt hat - er muss den Dachstock im Hause von Marie´s Vater ausbessern - lässt der Autor die Marie sagen, der Zimmermann sähe ein bisschen aus wie die Bee Gees in ihren besten Zeiten. Speziell wie Barry Gibb. Wer weiß das noch? Edles schmales Engelsgesicht mit Bart, Jesusbart eben, so wie man sich Jesus mit Bart vorstellt.

Ich stelle mir Jesus nicht vor. Also nicht sooo. Früher schon. Gelockter Bartträger mit wärmenden Augen. Wie Barry Gibb. Mit Körpersprache in Slow Motion, stets zum Segnen und Heilen geöffnete Handflächen. Und mit bestimmter aber sanfter Stimme, die Worte meißelnd, eherne Sätze, den Zweiflern und Provokateuren immer ein Tempo voraus, wie die Schachspieler sagen.
Barry Gibb von den Bee Gees
Die moderne Bibelwissenschaft hat akzeptiert, dass alle Schriftquellen keinen anderen Schluss zulassen als diesen: Jesus war vom Lande, der Erstgeborene eines Mädchens mit 14 oder 15 Jahren, den sein Stiefvater Josef als Sohn angenommen hatte, samt seiner blutjungen Mutter als Ehefrau, damit die kleine Schöne nicht als Hure verschrien wird, die den Knaben ledig hatte, wie man im Schwäbischen sagt. Aus dem Sumpf von Schimpf und Schande wollte er das Mädele heraushalten. Großartiger Mann! Viel mehr Buben sollten Josef heißen. Und dann kamen noch einige weitere Kinder, Jesu Geschwister, von denen meine katholische Kirche aber auch gar nichts wissen will, obwohl sie den Apostel Jakobus, zu dem man (Bin eben mal weg) auf dem Camino nach Compostela pilgert, Herrenbruder nennt.

Das kann man überall in der Fachliteratur nachlesen. Nicht bei allen Autoren, aber bei sehr vielen. Der Konsens ist nicht vollkommen, aber angesichts der realhistorischen Kenntnisse jener Zeit naheliegend und kaum mehr aufzukündigen. Der katholischen Amtskirche sind diese Vorstellungen dennoch ein Gräuel, weil sie Jesus lieber unkörperlich als fleischlich sehen wollen. Manchmal glaube ich, dass man den Satz  Und ist Fleisch geworden aus dem Credo mit spitzer Zunge ausspricht, leicht pikiert, weil man es lieber sähe, wenn die Maria vielleicht gerade mal mit stillender Brust, aber eben nicht mit empfangender oder gar gebärender Vulva vorzustellen wäre.
Dieser Realitätsverlust zeigt sich auch in der geradezu klassischen Missdeutung von Unbefleckte Empfängnis. Landläufig denken die Leute, Jesus sei unbefleckt empfangen worden, Maria also von einem unaussprechlichen Vorgang verschont geblieben gewesen. Nachthemd an, Licht aus, stumme Balgerei, keine Flecken auf dem Leintuch. Dabei meint der dogmatische Begriff, dass Maria selbst im Schoße ihrer eigenen Mutter ohne Sünde empfangen und sündenfrei geboren worden sein muss. Lauter Gedanken von spitzfindigen Männern (herrliches Wortspiel: Spitz findigen...) mit neurotischer Beziehung zu Leib und Leben. Rein und abgehoben soll der Jesus sein, nicht von dieser Welt, sondern herab gekommen zu einem Pflichtgastspiel, um die Heilspläne seines Vaters mit den Menschen durch einen Opfertod umzusetzen.
Das wiederum ist mir ein Gräuel. Was ist das für ein Gott, der seinen Sohn zum Menschen macht, in welcher metamorphen Gestalt er Menschen fischen, also zum Glauben führen soll, um ihn dann sadistisch abschlachten zu lassen? Was haben sich die Glaubenshüter der ersten Jahrhunderte nicht gerauft um diese Festsetzungen: Nur Mensch, nur Gott, Mensch und Gott, eines Wesens mit dem Vater? Dafür sind Ketzer ernannt und ermordet, Kriege geführt, Völker unterjocht und Konkurrenten gemeuchelt worden.
Ein Gott, der seinen Sohn auf Opfertod-Reise schickt, ist ein antiker Gott. Spiegelbild menschlicher Horrorvorstellungen, ein Monster also. Diese Vorstellungen der damaligen Welt, die mir im Gegensatz zu den Klerikalneurotikern nichts bedeuten, weil sie mein Leben und meine Empfindungen und Hoffnungen nicht erreichen, gehören ins Archiv. Außerdem, so sagte mir einmal der Leiter des Kath. Bibelwerks in Stuttgart, außerdem sei die Sündenbockmoral der mesopotamischen und kanaanitischen Kulturen mit der Legende von Abraham und seinem Sohn Isaak religionsgeschichtlich erledigt. Vater Abraham sollte ja seinen Sohn schlachten, auf Gottes Geheiß, also nach damals üblicher Praxis, um die Götter milde zu stimmen angesichts eigener Schuld. Und da fällt ihm jemand in den Arm, und statt Isaak muss ein Böcklein dran glauben. Das weist auf eine Zeit zurück, in der dem Menschen bewusst wurde, dass die Kain-und-Abel-Methode, durch Totschlagen mit Frust fertig zu werden, ausgedient hat.

Jerusalemer Mann
um 60 n.Chr., rekonstruiert

Die deutsche katholische Bischofskonferenz meint, für Christen sei es unerheblich, wissen zu wollen wie Jesus zu Lebzeiten ausgesehen hat. Mich tät´s aber dennoch interessieren, weil es ohne einen lebendigen Jesus, der ausgesehen hat, gar keinen Christus nicht gibt, weder einen auferstandenen und in den Himmel gefahrenen, noch einen zur Rechten Gottes sitzenden und dereinst wiederkommenden Christus. Schließlich haben ihn ja seine engsten Freunde nach seinem Tod gesehen, wie es der Apostel Paulus den Korinthern aufzählt. Und wenn die ihn gesehen haben, dann müssen sie ihn ja wiedererkannt haben, weil er auch als Auferstandener so ausgesehen haben muss wie vorher. Sonst hätte ja jeder kommen können und sagen Ich bin es. Und Maria Magdalena hätte in jenem Baumgarten am frühen Morgen des Ostertages sagen müssen: Tut mir leid, Herr, du kannst das nicht sein. Mein Joshua sieht anders aus. War aber nicht so. Sie haben ihn alle erkannt, liest man. Mit den Augen. Thomas sogar beim Anfassen, mit den Fingern. Also muss er ausgesehen haben, ausgesehen wie vorher und nicht irgendwie geistig und auferstanden. Oder man hat sich das nur eingebildet, im Traum, im Rausch, im außer sich Sein, solche Phänomene gibt es ja immer wieder. Dann aber könnte man das Buch zuschlagen. Nein, nein, wenn Petrus und Paulus und die vielen anderen, vor allem auch diejenigen, die mit Jesus beim Essen lagen, Körper an Körper, die ihn eingeölt und massiert haben, wenn die ihn wiedererkannt haben nach seinem Tod, dann muss er ausgesehen haben. Einige haben sogar mit ihm Fische gebraten und gegessen, am galiläischen See, nach Ostern. Aber Hallo, seit wann essen Auferstandene? Oder ist das alles nur sinnbildlich zu verstehen? Dann könnte man die Bibel neben Rotkäppchen zurück ins Regal stellen. Oder?

Die englische Funkanstalt BBC hat anhand eines Schädelfundes aus dem Jerusalem zur Zeit Jesu einen Kopf restaurieren lassen, mit allen forensischen Profilertricks, die man heute so drauf hat. Heraus gekommen ist ein etwas derbes orientalisches Gesicht, mit Bart und struppeligen Haaren. Das muss nicht der Typus Jesus sein, könnte aber. Und ist wahrscheinlicher als die Barry Gibb-Variante.

Immer wenn ich in Neuffen den Gottesdienst spiele, sehe ich vorher ein Foto von Papst Benedikt, alias Joseph Ratzinger auf dem Tisch der Sakristei stehen. Es ist so ähnlich wie das hier abgebildete. Da sitzt der alte Mann in vollem Ornat auf einem Stuhl und schaut schiergar müde in die Kamera. Und dann denke ich: Das ist also momentan der Stellvertreter Jesu auf Erden, vorläufig letztes Glied der lückenlosen Kette von Päpsten, die begonnen hat mit dem Satz Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen.

Ich bin überzeugt, dass mein Enkel Paule ratlos wäre, wenn ich ihm sagen würde:  Schau her Bub, das ist der Mann, der den Herrn Jesus vertritt in Rom. Paule würde sicher fragen: Hat Jesus auch so ausgesehen. Und dann müsste ich ihm sagen: Man weiß das nicht genau, weil es keine Bilder von damals gibt. Aber sooo ganz sicher nicht. Jesus war ein Kerle wie du, zuerst ein frecher Junge, dann ein starker junger Mann, manchmal wütend oder lustig, braun gebrannt und nicht immer gewaschen. Er hat in keinen Palästen gewohnt, war jahrelang mit seinen Freunden unterwegs wie ein Landstreicher und hat nicht mal einen Schlafsack gehabt. Vielleicht so wie Robin Hood. Er ist nie in die Schule gegangen, konnte nicht lesen und schreiben, war aber sehr klug. Und mutig. Und was er gemacht und gesagt hat, das sollten wir uns schon merken. Das hat Hand und Fuß. 

Mittwoch, 8. Juni 2011

Tageskarten im Juni

Die Tageskarten in diesen Tagen sind sehr vielfältig, weil ich alle Depots, Schränke und Gefrierschränke ausräume. Aus dem, was ich finde werden Spontangerichte komponiert, deren Rezepturen nicht immer für die Öffentlichkeit gemacht sind. Sonst heißt es Iiih, schmeckt das? - oder so.

Ein paar Kostproben:
(Arbeitsanleitungen  werden nachgereicht, wenn es jemand ausdrücklich wünscht. Dazu gibt es die Kommentare unten)

Gestern gab es einen Wurst-Käse-Semmelknödel Tiroler Art (aus restlichen Wecken, Schwarzbrot, Toastbrot, Rest Gelbwurst, Rest geriebener Bergkäse). Als Soße eine braune Butter, die ich aus Butterresten zusammengeschmolzen habe. Davor eine Kartoffelsuppe mit frisch gemachter Fleischbrühe aus einer Zwiebel, einem Rest Pellkartoffeln, einem Rest Paprikastreifchen, Mohrrüben aus der Fleischbrühe und geschmälzten Zwiebelstreifen samt dem kleingeschnittenen Siedfleisch aus dem Brühentopf.

Heute habe ich die restlichen Knödel in Scheiben angebraten, jeweils eine Tomatenscheibe darauf gelegt, unterm Deckel erwärmt und danach drei geschlagene Eier als Omelette dazwischen gegossen. Zwei Pfannen voll, alle weg. Und davor gab´s Spargelcremesuppe aus einem Knorr-Päckle mit Datumsgrenze.

Morgen werde ich was für den Paule machen, der wird mein einziger Gast sein. Wahrscheinlich Pfannkuchen. hat er schon lange nicht mehr gehabt und sich kürzlich gewünscht. Er darf dann zwei bis drei selber braten, wenn er von der Schule kommt. Er macht das schon ganz geschickt und kriegt dazu die etwas kleiner Pfanne, denn die große kann er noch nicht so gut in der Luft drehen. Und dazu gibt´s natürlich Nutella, Marmelade oder Zucker. Und irgendeinen (grünen) Salat dazu. Als Vorsuppe vermutlich Erbsensuppe aus der Erbswurst von Knorr und einer Handvoll Tiefkühlerbsen, mit Speckwürfelchen, kross ausgelassen und geröstet. Mit dem Fett kann man ein paar der Pfannkuchen machen. Vielleicht mache ich mir zwei mit Baconstreifen.

Etwas spannender wird´s in den Pfingstferien. Da kommt drei oder vier Mal Besuch.

Und was mache ich am Pfingstfest selber? Spätzle könnten mal wieder dran sein, Rouladen oder Geschnetzeltes oder Sahnepilze - aber die essen nicht alle meine Sippenmitglieder, leider. Offene Spiele also. Demnächst hier.